Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 26
(PDF, 96 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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26 Frau Aventiure.

ſtädtiſchem Aſphaltpflaſter und in Eiſenbahnhöfen wird
ſie nicht geſehen, und es verlautet nicht, daß die Kammer-
türen von Dichtern noch mit Aufſprengung von ihr be—
droht werden. Mit zu viel ewiger Jugend begabt, um
ſterben zu können, aber unfähig, die anders und älter ge—
wordene Welt und ſich ſelbſt zu verjüngen, friſtet ſie ein
halbverſchollen Matronenleben, meiſt auf ſtillen Berges—
höhen, wo der Wald den ſtolzen Erinnerungsſchutt ihrer
Jugend mit Frühlingsgrün überrankt; zuweilen auch zeigt
ſie ſich betend in wetterbraunen Münſtern und Kreuz—
gängen, oder, ſiegelbehangene Urkunden und ſchönbemalte
Pergamentbände leſend, in moderduftigen Archiven und
Büchereien. Das Volk kennt ihren Namen nicht mehr
und fürchtet ſie an manchen Orten als Geſpenſt, dem
fürſichtige Männer den Übernamen Romantik erfanden
und allerlei Gefährliches nachſagen.
Dem Schreiber dieſer Blätter hat ſie ſich verzeigt nach
den denkwürdigen Septembertagen des Fahres 1857, da
man in der Stadt Karl Auguſts die Erzbilder der Heroen
enthüllt hatte, die unſer Fahrhundert mit dem Wider⸗—
ſchein ihres ſonnig freien Geiſtes durchleuchten. Damals
war dem Heimkehrenden vergönnt, in dem Sängerſaal
der thüringiſchen Landgrafenburg vor das aus ſchöpfe—
riſcher Seele geborene Wandgemälde zu treten, in wel—

chem Moriz von Schwind den ſagenhaften Sängerwett-:

kampf des Fahres 1207 darzuſtellen verſucht hat. Eine
Betrachtung über die mehr als zufällige Fügung, daß
nicht nur in jener glänzenden Literaturepoche, von deren
Feſtfeier die Nichteinheimiſchen zurückdampften, ſondern
ſchon ſechs Jahrhunderte früher eine frühlingsluſtig em—
porgedeihende deutſche Kunſt von allen Gauen und Enden
des Vaterlandes her in Thüringen wie in einem natür-
lichen Mittelpunkte ſich einniſten und unter eines geiſtig
mitempfindenden Fürſten Schutz zu höherem Fluge die
Schwingen entfalten durfte, war in jenen von Baumnneiſter
und Maler mit allem Zauber einer geſtaltend rückwärts
ſchauenden Phantaſie verklärten Räumen leicht angeregt.
Damals gedachte ich: „Hei, wer ſo viel erfahren dürfte



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