Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 27
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0027
Vorwort. 27

und erführe, daß er mit den halbnythiſchen Schemen

10

15⁵


O

dieſer mittelalterlichen Sänger, ihrem Leben, Fühlen und
Dichten ſamt den ſtarren und treibenden Kräften ihrer
Epoche vertraut würde wie mit Goethes und Schillers
klarer Zeit!“ und langſam ehrwürdig, als hätte ſie in
einem Erdgeſchoß des Landgrafenpalas weltentrückt wie
Kaiſer Rotbart im Kyffhäuſer die Fahrhunderte ver—
ſchlafen, kam auf den Steinſtufen unter der Sängerlaube
Frau Aventiure emporgeſtiegen und ſprach, dieweil Lä—
cheln unſterblicher Fugend die Lippen umſpielte: „Ver⸗
trau' Dich mir, ich führe Dich zu jenen!“ . . Und fie hat
ihr Wort redlich gehalten und mich mit den Gefährten
ihrer Blütetage bekanntgemacht, daß mir deren Sprache
und Kunſt keine fremde mehr iſt. Manch guten Raſttag
hab' ich jenen Findern wilder Mären gelauſcht, manch
guten Wandertag bin ich über Berg und Tal ihren Spu—
ren, die bis weit an die Donau hinab weiſen, nachgezogen.
Man mag von der Kultur des dreizehnten Fahrhunderts
urteilen, wie man will: eine Zeit, die als Markſteine ihrer
epiſchen Dichtung auf der einen Seite den Parzival, auf
der andern das Nibelungenlied, als Zeugnis ihrer Lyrik
hier den gemütreichen Erſtlingstrieb des deutſchen Minne—
ſangs, dort das üppige lateiniſche Tirilieren der fahren—
den Schüler hinterlaſſen hat, wird dem Forſcher, auch

wenn er nicht mit ſchwärmender Sehnſucht nach ihr zu⸗—

rückblickt, noch langehin Gegenſtand umfangreicher und
ergiebiger Unterſuchung bleiben.
Dem Dichter aber, an welchem des Meiſter Fridank
Spruch: „Mein Herz im Traume Wunder ſieht, das nie
geſchah und nimmer geſchieht“ in Erfüllung gegangen,
ſei für heute nur vergönnt, einen Strauß von Liedern,
wie er auf der Frau Aventiure von Mailuſt und Tanz-
freude durchwehten Blumenangern hundertfältig zu
pflücken iſt, prunklos und formlos zuſammenzubinden, als
unvollkommnen, langſamen und ernſten Studien mit
Fiedelklang vorauseilenden Ausdruck aufrichtigen Dan—
kes, den er einem hohen Schirmherrn deutſcher Kunſt
ſchuldet.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0027