Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 37
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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Altfranzð ſiſch. 37

Wer will uns verwehren
Ein Tänzlein in Ehren
Und ganz unter uns?“



Chreſtien von Troies.

„de iolif cuer chanterai
bone amor men prie 5**¾

Aus zartem Herzen ſing' ich nun;
Was Minne heiſcht, gewähr' ich gern,
Und allzeit will ich zärtlich tun,
Grobdörperlicher?** Rauheit fern.
Von Minne ſtammt das beſte Gut,
Drum leb' ich ohne falſchen Mut
Und ſeh' mich ungern ſtreng kaſteit...
Ein feines Herz kann anders nicht,
Es liebt mit Zärtlichkeit.
Daß hoch in Freuden ſchwebt mein Sinn
Iſt, ſüße Freundin, Eure Schuld,
Drum wißt, ſolang' ich lebend bin,
Will ich als Lehnmann Euch um Huld
Treu dienen; ſonſt ertoſ' ich wild ...
Wo trägt die Welt Eu'r Ebenbild?
Ihr ſeid des Guten Überſchwang
So ganz, daß ich erſterben muß,
Bleibt ungeſtillt mein Drang.
An Euch, o ſchöne Frau, geſetzt
Hab' ich mein Leben, Leib und Glück,
Solang' ein Atemzug mich letzt,
Weich' ich kein' Fußbreit mehr zurück..
Nur ein Erſuchen trag' ich vor:
O ſchenkt, ſolang' Ihr lebt, kein Ohr
* Das Angeführte ſind die beiden Anfangszeilen des Gedichtes, das Scheffel
im obigen, dem Urbild Zeile für Zeile folgend, überſetzt hat. — * „Dörper“ iſt
die in den ritterlichen Kreiſen am Niederrhein aufgekommene Überſetzung des
altfranzöſiſchen „vilain“ (das in der Form „vilan“ auch unmittelbar in das
Deutſche übernommen wurde; vgl. Z. 40 des nächſten Gedichtes); die hochdeutſche
Form wäre „Dörfer“, d. h. Bauer. Es iſt in der höfiſchen Dichtung das übliche

Scheltwort für den Vertreter unfeiner, unhöfiſcher Art im Gegenſatze zum
Ritter. In der Form Tölpel dauert das Wort in unſerer Schriftſprache fort.


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