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42 Frau Aventiure.
Doch froh wie beim Feſte
Tanzreigender Gäſte 30
Ringt ſtechend ums Beſte,
Wer kühn unter Helme um Ritterlob wirbt.
Ihr Roſen der Auen, Jungfrauen und Frauen,
Bald geht's an ein Schauen vom hohen Altan!
Ihr ſollt uns mit Grüßen das Kampfwerk durchſüßen, 38
Wenn wir euch zu Füßen aufwirbeln die Bahn,
Und ſollt nicht erzittern,
Wenn bis zu den Gittern
Des Palas die Splittern
Zerbrechender Schäfte aufſchnurren mit Macht. 40
Im Stirnreif von Golde erſcheint eine Holde,
Der dien' ich zu Solde mit Lanze und Schwert,
Mir hat die Vielreine, als wär' ſie von Steine,
Zeitlebens noch keine Erbarmung gewährt...
Doch werden mit Toſen 45
Auf mir die vielgroßen
Gerſtangen zerſtoßen,
So muß auch ein Steinherz in Rührung zergehn.
Drum müht ſich mein Sinnen, Turnierdank und Minnen
Von ihr zu gewinnen im ſelben Tjoſt, 0
Bald wird ſich's entſcheiden, wenn nach dem Durch—
ſchneiden
Der Seile mit Streiten der Buhurt' ertoſt.
Dann heißt's: kalopieret**
Und nimmer faylieret**n
Und kräftig pungieret! ... 55
. . . Sand küſſen muß jeder, der wider mich ſtapft!
— — ——
Nachtlied.
Das iſt die Nacht, die finſtre Nacht im Walde,
Die mich umhbüllt auf weltverborgnem Ritt.
* Ein Reiterſpiel. — ** „Kalopieren“ iſt die in Wolframs „Parzival“
gewöhnliche Schreibung für „galoppieren“ * Failieren (aus altfranzöſiſch
„kaillir“), den Gegner im Stoße fehlen.
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