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Wolfram von Eſchenbach. 45
Nun iſt's getan. In Demut möcht' ich lachen,
Daß ich, ein künſteloſer Rittermann, L
Furchtlos vermaß, ſolch großes Buch zu machen,
Und ſelbſt kaun einen Buchſtab' malen kann“..
Doch, wer alsbald mit fühlendem Erfaſſen
Das Lied, das ihm die fremde Zunge ſingt,
Verſteht in eignes Wortgefüg' zu paſſen,
Dem wie von ſelbſt der Reim entgegenſpringt,
Der kann als Laie Meiſterſchaft beſitzen,
Weiß er auch keinen Gänſekiel zu ſpitzen.
Dank zoll' ich den geduldigen Scholaren,
Die mir gedient als helfend Schreibgeſind',
Und dir, Wohlredende mit krauſen Haaren,
Jungfräulein Alix, höfiſch feines Kind'“.
Bei Schildesamt, Heerfahren und Soldieren
Kam mein Franzöſiſch nie in guten Stand,
War auch, daß man „Herbergen“ heißt „Loſchieren“
Und andres mehr der Sprache mir bekannt,
Du lehrteſt mich, ſtreng wie ein alter Weiſer,
Die Wortfeinheit und Zucht der Tſchampäneyſer's.
O Schaffeluſt, wenn wir in Frühlingstagen,
Selbviert im Burggärtlein uns eingeheckt,
Vor uns die Mären Kyots aufgeſchlagen,
Ein Mauertiſch als Schreibtiſchlein gedeckt:
Dolmetſchend las die Maid uns Zeil' um Zeile,
Und translatierend ſchritt ich auf und ab,
Bis ich, bald ſchnell, bald nach ſorgſamer Feile
Den deutſchen Reim den Schreibgeſellen gab.
Die kauerten und kicherten im Mooſe
Und ſchrieben ihn, umblüht von wilder Roſe.
Um Frauendank** bracht' ich mein Werk zu Ende,
Als Lohn genügte mir ein ſüßes Wort,
Heut reich' ich es als ehrfurchtvolle Spende
Dir, Landgraf Hermann, der Geſangkunſt Hort!
*„Ine kan decheinen buochstap“ ſagt Wolfr am im „Parzival“ 115, 27.—
** Daß der „Parzival“ einer Frau zuliebe gedichtet ſei, ſagt ſein Verfaſſer
337, 1ff.; 827, 29.
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