Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 49
(PDF, 96 MB)
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Reinmar der Alte. 49

Einer Griechin.

Der Pilgrim naht erſehntem Heiligtume
Und beugt ſein Knie vor dem geweihten Bild:
So möcht' ich dich begrüßen, fremde Blume,
Die unſern Wald mit ſeltnem Glanz erfüllt.
Ein ſchwer Geſchick hat dich zu uns geleitet,
Wir danken's ihm, betraf es dich auch hart,
Denn keiner iſt, dem nicht das Herz ſich weitet,
Wenn ſeinem Aug' ein Strahl des deinen ward.
Das Morgenland und mildrer Sonne Walten
Will ſich bei deinem Anblick uns entfalten.

Wem mag ich dich vergleichen und das Weſen,
Das wie ein ſtolz Geheimnis dich umſchwebt?
Nicht einzle Künſte haſt du dir erleſen,
Dein ganzes Sein iſt's, das uns andre hebt.
Wie Wallfahrthymnenſang andächt'ger Beter,

Wie Sonne, die durch Wolkentrübnis bricht,

Wie Waldesgrün, wie blauer Himmelsäther,
Wie weites Meer, wie ſanft Planetenlicht:
So wirket deine Nähe — herzbeglückend
Und jeden hoch dem Niedrigen entrückend.

Du weißt es nicht! — Du kommſt und du verſchwindeſt
In allzeit gleicher Unbefangenheit;
Kaum mit der Lippen feinem Lächeln kündeſt
Du das Bewußtſein deiner Herrlichkeit.
Du ſiehſt es nicht, wie alle ſich verklären
Vor dir, wie vor der Sonne Scheideblick,
Der Kühnſte ſelber wagt kein kühn Begehren,
Verehrungsvoll und ſcheu tritt er zurück:
Mag ihm auch ſein, als müſſ' er dir zu Füßen
Sich ſtürzend des Gewandes Saum dir küſſen.

Selbſt unſer Wald fühlt dich und will ſich neigen,
Wenn ihn der Jungfrau Fuß betreten will,
Durch alle Wipfel geht ein ernſtes Schweigen,
Und ſtille wird es — feierlich und ſtill ...

Scheffel. II. 4


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