http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0050
50 Frau Aventiure.
Den Haſen, der den jungen Schoß benagte,
Das Eichhorn ſah ich, das im Aſtwerk ſprang,
Das Reh, das durch die Haſelſtauden jagte,
Reineke Fuchs auf ſchlimmem Weidmannsgang:
Sie alle lauſchten ſcheu dem Menſchenbilde,
Das da des Weges ſchritt in ſanfter Milde.
Auch mir, der ich zur Waldeszunft gehöre
Als alter Fäger, ſchlug das Herz ſchier heiß...
Du kennſt mich nicht.. und daß ich dich verehre,
Mag dich nicht kümmern, denn mein Haar iſt weiß.
„Am Gang ſollt ihr die Göttliche begreifen“
Las ich des Tags in einem alten Buch,
Dann ſah ich dich im Forſt vorüberſtreifen
Und Wahrheit ward mir des Lateiners Spruch.
Wie ſich's geziemt, wo Himmliſches ſich zeiget,
Hab' ich, die Hände faltend, mich geneiget.
Wider Heinrich von Ofterdingen.
„Dines schalles ist nu gar ze vil,
Heinrich von Ofterdingen, Reinmar wil
din Nent weſlen,
wan, [wer sich selben dankes teeten wil
wer hülfe dem genefen?“
„Wartburgkrieg“, Str. 16.
Mich faßt ein Mitleid, ſtolzer Knabe,
Um deines Hochſinns Mückenflug,
Kennſt du noch nicht der Dichtung Gabe,
Den Hexenſchwamm voll Rauch und Trug?
Er platzt.Hund Moderwolken ſchänden
Der Schläfe Kranz, der Saiten Spiel...
So wird auch dein Triumph ſich wenden,
Denn deines Schalls ward gar zu viel!
Die Zukunft wirft dem kundigen Spürer
Ihr Schattendunkel weit voraus:
³ „Incessu patuit dea.“ Virgil.
8
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0050