Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 55
(PDF, 96 MB)
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Berlt der junge. 55

Wo einſt den Sieg von Aliſchanz*
Gewann der Kaiſer Karle.
Schmuck ſteht dem heil'gen Trophimus
Ein Münſter aufgerichtet:
Dort ward am Marmorporticus
Das Kirchganglied gedichtet
Und ihr am frühen Morgen
Mit Liſt ans Kleid verborgen?.
Was ſie erwidert, weiß ich nicht
Und lügen wäre ſündlich,
Von vielem mangelt Schriftbericht,
Denn viel geſchieht nur mündlich.
Doch als wir ſpät mit ſchwerem Mut
Des Scheidens Pein erlitten,
Sang er das Lied vom Fingerhut,
Da wir im Elſaß ritten,
Und blickte unter Tränen
Südwärts mit vielem Sehnen.
.. . O Angeſicht!.nie lag ein Glühn
Von Roſen drauf ergoſſen,
Oft kam ein Hauch wie Meeresgrün
Zum Lilienweiß gefloſſen.
Und wenn ſie wallenden Talars
Den Säulenhof durchrauſchte
Und ſich die Fülle dunkeln Haars
Feucht um den Nacken bauſchte,
Dacht' ich mit ſüßem Grauen
Ein Meerweibs zu erſchauen...
Vernehmt nun, was Herr Walter ſcheu
Aus ſeinem Buch verbannte,
Und ſprecht, bin ich ihm ungetreu,
Daß ich es nicht verbrannte?

* Auf die mit zahlreichen Steinſärgen bedeckte Begräbnisſtätte von
Aliscans (lateiniſch Elysii campi) bei Arles verlegte die Sage jene gewaltige
Schlacht gegen die Sarazenen, die in dem altfranzöſiſchen Epos „Bataille
d'Aliscans“, danach in Wolframs „Willehalm“, erzählt iſt. Scheffels Verſe
ſind wohl zugleich eine Erinnerung an das mittelhochdeutſche Gedicht vom
Meier Helmbrecht, V. 67: „Provenz unde Arle betwanc der künec Karle“.


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