Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 72
(PDF, 96 MB)
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Frau Aventiure.

Zur Stund' zerging des Unholds Freud'.
Ich hielt ihn am Gefieder
Und hab' ihn weidlich durchgebläut,
Er kommt mir nimmer wieder!

III.

Das war der Vogt von Tenneberg,
Den Minne nie umfangen,
Mit Weib und Kind ſelbſiebent kommt
Vergnügt er jetzt gegangen.
Das jüngſte ſpielt ihm auf dem Arm
Mit Bart und Harniſchkette,
Er ſchafft ihm Brei und hält es warm
Und legt es auch zu Bette:

„Wigen wagen, gugen gagen,
Ach mir tagen ſanfte Plagen,
Schreier, Schreier, kleiner Schreier, ſchweig,
ich will ja gern dich wagen!“

Das war der Vogt von Tenneberg,
Den Minne nie umfangen,
Im Lindengrün zum Trocknen jetzt
Gewaſchne Windeln hangen.
Und ſtille ward es, mäusleinſtill
Im Wipfel und am Stamme,
Er ſingt nur, wenn der Dienſt es will,
Als Ablöſung der Amme:

„Wigen wagen, gugen gagen,
Ach mir tagen ſanfte Plagen,
Schreier, Schreier, kleiner Schreier, ſchweig,
ich will ja gern dich wagens!“

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