http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0073
10
Der Mönch von Banth. 73
Der Mönch von Banth'.
Waldpfalm.
ir klösterlùúte, vrouwet üch:
ir ſit vi maneger muowe entgan“e
die werltliche lúte han!
Ebernand von Erfurt.
Auf, zu pſallieren in frohem Choral;
Pörtner, erſchließe des Kloſters Portal!
Frühling iſt kommen voll ſproſſender Luſt,
Schmücket, ihr Brüder, mit Veilchen die Bruſt,
Wandelt lobſingend zum Buchwald hinaus,
Denn auch der Wald iſt der Gottheit ein Haus.
Sehet die Halle, wie ſtolz ſie ſich hebt,
Stolz zu der Bläue des Himmels aufſtrebt;
Rieſige Buchen, mit Tannen gepaart,
Stehen als Säulen der edelſten Art,
Und als ein Kuppeldach, luſtig und weit,
Wölbt ſich der Wipfel laubgrünendes Kleid.
Wandelt zur Lichtung der Höhe empor!
Das iſt der Waldesbaſilika Chor:
Felſen, zu Steintiſch und Bänken geſchlichtet,
Stehen dort kunſtreich im Fünfeck errichtet,
Heil dir, o Platz, der Erholung geweiht,
Buchenumfriedete Einſamkeit!
Teilet die Reihen und haltet jetzt an!
Abt mit dem Prior, er ſchreite voran,
Hoch in der Mitte, am längeren Stein,
Muß ihr geziemender Ehrenſitz ſein;
An den vier Seiten, in Gruppen getrennt,
Tafelt der fröhliche Waldeskonvertt.
Stimmet die Lauten und Zymbeln nun rein,
Vögel im Laubverſteck, fallet mit ein,
* Banz, bei Lichtenfels am Main, einſt eine blühende Benediktinerabtei,
1803 aufgehoben und gegenwärtig als Schloß im Beſitz der Erben des Herzogs
Karl Theodor in Bayern, enthält als Hauptſehenswürdigkeit eine berühmte
Sammlung von Verſteinerungen, beſonders Sauriern. — * Gar mancher
Beſchwerde entgangen.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0073