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Der Mönch von Banth. 75
Und gen Unnersdorf ... man heißt die Gegenoͤ
Märzenſee, doch liegt das meiſte trocken.
Kloſterleute brachen dort der Straße
Durchbruch durch den bläulich grauen Schiefer.
Und ich dachte eine ſchöne Platte
Zu gewinnen, die zum Steintiſch taugte
Unſerm Waldplatz, den die Brüder nennen
Arboretum Recreationis“*,
Denn wir pflegen dort im Buchenſchatten
An dem Steintiſch auf der Steinbank ſitzend
Gern den Geiſt in heilige Schrift zu ſenken
Oder auf der waldumhegten Schießſtatt
Nach dem fernen Scheibenziel zu ſchießen
Bogenſpannend und mit wuchtigem Gerwurf.
Und ein jeder liebt das kühle Hrtlein.
„Alſo wählt' ich drunten am Geſteine
Eine ſchief geſenkte dunkle Schichtung,
Deren alte Sprüng' und Riſſe wieſen,
Wie ſie leicht in Platten abzulöſen,
Und den Hauern winkt' ich: ‚Dieſe ſprengt mir!“
gene auch mit guten Gebeſtangen,
Eiſenkeilen und dem andern Hauzeug
Gingen wacker an ihr Steinbrechtagwerk.
Da ſprach einer, dem die Stirn von Schweiß troff:
„Sonderbar. Wir ſtoßen auf Unebnes
Gegen dieſer Felſenart Gewohnheit;
Etwas Fremdes niſtet im Geſteine.“
Doch ſie rammten unverdroſſen weiter,
Bis die ganze Oberfläche lück war.
Mit des Kreuzes Zeichen ſie beſegnend,
Auf! dem heiligen Dionys zu Ehren,
Eins, zwei, drei — und losgelaſſen! rief ich,
Und die Platte ſank ...
o dreimal Wunder!
Nie vergeſſ' ich jenes wilden Anblicks:
Vom Geſchiefer, das da kam zum Vorſchein,
* Hain der Erholung.
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