Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 78
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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78 Frau Aventiure.

Des Geſchlechts vielleicht wie der, den Perſeus 130
Mit dem Schild Meduſä einſt verſteint hat,
Glich vielleicht im Großen der AÄgypter
Krokodiltier, das der Nilſtrom heget,
Doppellebig, land- wie waſſertüchtig.
Dieſer Boden, drauf ich atmend wandle 135
Und emporſchau' zu des Mondes Kugel,
War der Grund einſt einer tiefen Meerbucht,
Dieſe Höhe, dieſer Wald, das Kornfeld,
Drauf itzt friedlich Pflug und Pflüger ſchreiten,
Wurde einſt von ſolcher Brut beſchwommen, 140
Und der Berg, wo aus der Brüder Zellen
Da und dort einſam das Licht noch ſchimmert
Und auf hohem Kloſterturm das Kreuz ragt,
Ward von Gott gerichtet und geſchichtet
Als ein Drachenhünengrab der Urzeit“ 145

„So geht alles Irdiſche den Kreislauf
Und beſtändig iſt allein der Wechſel:
Meer wird Fels und Fels wird Erde. Erde
Nährt als Ackerkrume Baum und Pflanze,
Pflanzenfeuchte wird von Luft geſauget, 150
Luft wird Wolke, Wolke Regentropfen,
Regentropfen ſtrömt im Fluß zum Meere,
Und ſo iſt, was flüſſig erſt, dann feſt war,
Wieder flüſſig nach Jahrtauſenden,
Und die Woge rauſcht im Ozean, 155
Der, wie einſt der alte ſeine Drachen,
Itzt des Menſchen buntbewimpelt Schiff trägt,
Bis auch er einſt abläuft und die Menſchheit
Überflutend einſargt in den Erdſchoß,
Daß den Platz ſie räume einer beſſern, 160
Einer gottdurchgeiſteteren Gattung. L
Denn ob aller Meergewäſſer Brauſen,
Über allem, was da iſt und ſein wird,
Über allem ſchwebt der Geiſt des Herren.
Laus et gloria in excelsis Deo*!“ 165

* Ehre und Ruhm ſei Gott in der Höhe.


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