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Der Mönch von Banth. 79
Alſo dacht's von Banth der Mönch Nicodemus.
Linde Mondnacht wehte um das Haupt mir,
Freundlich winkte der Planeten Funkeln.
Andern Tages zog mit allen Brüdern
Unſer Abt hinaus und ſprengte dreimal
Mit geweihtem Waſſer das Geſtein an,
Dann gebot er uns, mit Karſt und Spaten
Eine tiefe Grube aufzuwerfen.
„Senket“, ſprach er, „alles, Haupt wie Knochen,
In die Tiefe. Was uns Gott verborgen,
Soll der Neugier Hand zu Tag nicht rühren,
In der Schrift ſteht: Laßt die Toten ruhn!
Eine Waldkapelle will ich bauen
Hier zu Ehren unſerm ritterlichen
Heiligen Georg, dem Lindwurmtöter:
Was ihr fandet, ſoll das Fundament ſein!
Aber ſchweigt und wahret's als Geheimnis.
Groß iſt Gott in ſeiner Wunderſchöpfung,
Aber groß iſt auch des Teufels Blendwerk,
Und man weiß nicht, weſſen dieſe Reſte.
Gott allein löſt aller Dinge Rätſel,
Eitel unnütz Reden ſtammt vom Teufel.“
Wie der Abt es fügte, ſo geſchah es.
„Amen!“ ſpricht der Mönch von Banth Nicodemus,
„Gloria in excelsis Deo, Amen!“
Bericht von den Mücken.
diu vliege ist, wird der Iumer heiz,
der küenste vogel, den ich weiz.
dem lewen wolt ich vride gebn,
liezen mich die vliegen lebn.
Fridank c. 43.
Solches ſpricht von Banth der Mönch Nicodemus:
„Wollt ihr wiſſen, warum nach langer Schwermut,
Langer Menſchenſcheu, erfindungsreicher
Peinigung des Leibes und der Seele
Sich mein Sinn zum Beſſeren gewendet
Und ſich wieder innig, kindlich freuet
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