Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 80
(PDF, 96 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0080
80 Frau Aventiure.

An der Menſchen buntem Durcheinander,
An der Pracht des Himmels und der Erde,
Sonnenſchein und Waldesgrün und Liedͤklang,
So vernehmt: den Mücken nur verdank' ich's.
Mücken ſchufen mir die Sinneswende,
Sind kein unnütz ſummendes Geſinde,
Hohe Hand lenkt auch den Mückenflug.

„Lange hielt ein Übel mich umſtricket,
Der Lateiner nennt's Melancholeia.
Träg rinnt das Geblüt da in den Adern,
Und das Haupt umlagern Wahngedanken
Schwer und dunſtig wie ein Höhenrauch.
Von dem Abt, vom Prior, vom Konvente,
Die mir nie ein Härlein nur gekrümmet,
Wähnt' ich mich gekränkt und ſchwer mißhandelt.
Wenn der Brüder zweie oder dreie
In des Blumengärtleins blühender Wildnis
Sich in traulichem Geſpräch ergingen:
‚Was wird über mich geläſtert?“ rief ich.
Hallten Tritte im gewölbten Gang auf,
Schrie ich: ‚Ha, ſie nahen, mich zu greifen,
In die Geißelkammer wegzuſchleppen,
Rettet mich vor finſterer Verließnacht!
Im Konvent, im Refektorium ſelber
Beim gemeinſam fröhlichen Mittagmahl
Klang mir in den Ohren: ‚Feinde ringsum!“
Und ich reichte meinen Wein dem Nachbar,
Daß er erſt ihn koſte, ob kein GEift drin.

„Endlich ſchloß ich ganz mich in die Zelle.

„Laßt den kranken Mann mit den Phantasmen
Einſam kämpfen', ſprach der Abt; die Brüder
Schoben täglich durch der Pforte Gitter
Mir den Waſſerkrug, die karge Koſt zu.
Endlich mahnte kein verhaßtes Antlitz
Der Gemeinſchaft mit der Menſchheit draußen,
Und in tiefem Meditieren ſaß ich

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