Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 83
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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Der Mönch von Banth. 83

Ihr verfluchter Fuß betrat, auf dieſen
Schwirrt ſie zehn- und hundertfach auch wieder.
„Wehe, weh', was ſind die ſieben Plagen,
Damit Moſes der AÄgypter Land ſchlug,
Gegen dieſes ſpitzige Mückenſimmſumm?“
Alſo klagt' ich täglich ſtark und ſtärker,
Doch der Sommer wuchs und mit dem Sommer
Sein Gefolge, Sonnenſtich und Mücken.
„Da geſchah's in einer Nacht im Zuli,
Daß mir wieder ſolch ein Mückenſcheuſal
Flügelwetzend auf das linke Ohr ſaß,
Und verzweifelnd fuhr ich aus dem Schlummer
Und begann den großen Exorzismus:

„Exorcizo te per nomen illud
quo franguntur inferorum portae
quo fugatur quivis kakodaimon
ut recedas, creatura muscae,
omittasque susurrationem!*

„Aber nach wie vor mit frechem Summen
(Und ich glaub' noch oft, es war ein Dämon)
Schwirrte das unſelige Tier ums Haupt mir,
Bis ich endlich kalt und ſtarr und langſam,
Krank und wund in tiefſter Seelentiefe,
Sprach: ‚Genug jetzt. Exest. Nicodemi
Glaub' und Lieb' und Hoffnung ſind zu Ende;
Nicodemus trug, was menſchenmöglich
Zu ertragen, doch er trägt's nicht länger.
Summe weiter, Teufelsbrut, ſumm' weiter!
Seinen Ohren ſoll die Qual erſpart ſein,
Und er geht, ſich in den Main zu ſtürzen.“
Grimmig rannt' ich durch den Gang, enteilte
Durch ein Schlupftor und gewann das Freie.
Mein gequältes Leben ſollte enden.
Kaum die vierte Stunde war's des Morgens,

* Ich beſchwöre dich bei jenem Namen, durch den die Pforten der Hölle
geſprengt werden, durch den der böſe Dämon verſcheucht wird, daß du weicheſt,
Mückengeſchöpf, und dein Summen laſſeſt!
6*


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