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92 Frau Aventiure.
Die einſt mein Flamberg gehauen;
Vor die Füße warf er den Silberling mir:
„Du fremd Wallbrüderlein, ſcher' dich von hier,
Deinen Plunder weiſ’ unſern Frauen!“
... Und als ich hoch oben im Zwingergang ſtund,
Ein lachendes Taubenpaar wurde mir kund,
Das girrte und gurrte beſtändig...
Und als mich, ich ſage nicht wer, erſah,
Da rief's: „O wohl mir, daß endlich du nah, 35
Waghälslein, Frechliebſter, ich kenn' dich!“ G
Den Mummſchanz, den Mantel, das Hütlein — man
nahm's.
Schmal ſchlupft' ich herfür im ſiglätſeidnen’s Wams
In alten vielheimlichen Treuen...
Drauß wachten die Burger mit grimmigem Schall,
Spätnächtig noch oͤröhnte ihr Rundgang vom Wall,
Sie ſchrien ihr „Werda?“ wie Leuen.
.Cã:Dẽ ᷑cSm Sommer, wenn's regnet, im Winter, wenn's
ſchneit, L
Das Scheiden und Meiden ſchafft allemal Leid,
Sie weinte, derweil ich mußt' lachen:
„Schau, ſchau, die ſorglich beſperrete Stadt,
Wohl ihr, die ſolche Verteidiger hat,
Wenn andere ſchlafen, ſie wachen!“
Und als ich entſchleichend zum Wurzgärtlein kam,
Noch einmal bei Hand und bei Mund ſie mich nahm, .
Da blieſen die Türmer den Morgen.
Da ſtund ich am Graben .. ein Sprung.. hei gut
Glück!
Frei ſchwing' ich mich über die Heide zurück;
Ihr Bäter der Stadt: — Guten Morgen!
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