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Fahrende Leute. 99
25 Hier prangen Gottes Wunder
In ſtill beredter Pracht:
Fahr' ab, verfluchter Plunder
Der elend mich gemacht!
dem aufgehenden Mond.
Qui potare non potestis
ite procul ab his festis
non est locus hic modestis*.
„Carmina Burana“, Nr. 179.
Heute ſchwirren Schelmenlieder,
Niemand bleibt verſchont:
Ja, woher denn du ſchon wieder,
Bleicher Pilgram Mond?
5 Kaum iſt uns die Sonn' entſchwunden
Im verſchilften Rohr,
Reckſt du ſchon am Bergwald drunten
Dein Geſicht empor.
Willſt du deinen Treuen helfen?
10 Heia, ſtrahl' nur zul!
G Schwärmern, Minnern, Füchſen, Wölfen,
Giltſt als Sonne du!
Und wir brauchen Kraft zum Trinken
Und noch viel — viel Wein...
1¹⁵ Laß dem Wirt als Zahlung blinken
Deinen Silberſchein.
Füll' der Nönnlein Zellen drüben
Mit ſehnſücht'gem Glanz ...
G Melde: bei den Linden hüben
20 Toſt der Ringeltanz!
Strebſt du aber, uns zu tauchen
In geheimes Weh,
Mond, dann biſt du nicht zu brauchen,
Löſch' dein Licht und geh.
* „Die ihr nicht trinken könnt, weichet von dieſen Feſten; hier iſt kein
Platz für Mäßige.“
7 *
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