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Frau Aventiure.
Geh mit deinem zarten Flittern 25
Nach der Seufzer Land...
Schwermutbleich im Knie zu zittern,
Sind wir nicht imſtand.
Seebilder.
I.
Am Untersberg ſteigt Gewölk auf,
Die Staufen umziehen ſich fahl,
Vom Oſt gepeitſcht, giſchtſchäumig
Jagen die Wellen zu Tal;
Graudunſtig lagert ein Schleier
Um Himmel und Waſſer und Land,
Der Fiſcher lupft haſtig ſein Netzwerk
Ins Boot und flüchtet zum Strand.
Sturmfinſter ballt ſich's zuſammen
Und finſtrer= Die Sonne erliſcht. 1o
Platzregen gießt. In die Seeflut G
Ziſcht Blitzgefunk — und verziſcht.
Vom Stiftsdach wirbelt's mit Schindeln,
Dumpf knarrt am Kreuzgang das Tor.
Die Kloſterfrauen pſallieren 15
Im donnerumgrollten Chor.
II.
Und als das Wetter vertoſet war,
Da wiegte der See ſich wie blühend,
Da lachte der Himmel roſig klar,
Die Ferne färbte ſich glühend. 20
Am AUfer blieben die Schiffer ſtehn,
Aus der Zelle lauſchte die Nonne:
Noch niemals ſpielte im Tau ſo ſchön
Der Wundergluthauch der Sonne.
Bergelfen hatten ein Feierkleid 25
Gewebt um der Alpen Zinnen:
Der Hochgörn blinkend und friſch beſchneit,
Wie ein Freier im Hochzeitlinnen,
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