Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 117
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0117
75⁵

9

100

Magnus vom finſtern Grunde. 117

Das Pferdlein Sperber, das mich trug zum Feſte,
Sank ſchnaubend um und war zu Tod gehetzt,
Von Kranz und Tanzkleid blieben mir nur Reſte,
Der Sprung durchs Feuer ſchuf ſie brandderletzt.

Du kennſt das Roß und kennſt den weißen Mantel,
Für die ich den Erſatz zu heiſchen hab'...
Du wardſt ein Kaufweib und verſtehſt den Handel:
Das Schuloͤbuch auft.. Freund Magnus rechnet ab!

VI

Schön warſt du, als von deiner Hand entzündet
Das Sunnwendfeuer aus den Scheitern ſchlug,
Als Paar an Paar zum Fackeltanz verbündet
Dir nachſchritt. Doch — dein Spiel war Lug und Trug.

Poſaunen ſchallten. Glutgerötet ſchwebteſt
An meiner Seite du voran dem Zugs⸗,
Dein Buſen rang, als ob du wonnig bebteſt,
Daß ich erſchien. — Dein Spiel war Lug und Trug.

Du botſt, als wir Sant Hanſen Minne“ tranken,
Froh mir zuerſt, dann unwirſch ihm den Krug:
Und ſchon ſtand felſenfeſt und ſonder Schwanken
Wahl und Entſcheid! Dein Spiel war Lug und Trug.

Dein Mund hieß mich den Einz'gen, Süßen, Teuern,
Als ſchon die Stirn' des andern Goldreif trug ...
Du brauchteſt mich, ſein Fiſchblut anzufeuern...
Unſelig Weib, dein Spiel war Lug und Trug.

VII.

Mit dieſem Liedlein ward ich dann entlaſſen,
Es macht dem Schelmen, der's erſonnen, Ehr’
Die Kaufmannsdiener ſangen's auf den Gaſſen
Und die Gevatterinnen lachten ſehr;

* „St. Johannes Minne“, d. h. das Gedächtnis des Apoſtels Johannes,
trinkt man im Mittelalter bei Aufhebung der Mahlzeit. Der Evangeliſt ſoll
vergifteten Trank ohne Schaden genoſſen haben, ſo hofft man ſich durch einen
Trunk zu ſeinem Gedächtnis vor Vergiftung zu bewahren.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0117