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Frau Aventiure.
Heimlich birgt der Seebucht Ecke
Ein Gebäu von feſtem Fug,
Wie geſchaffen zum Verſtecke
Zweier, die ſich ſelbſt genug.
Stolzer Buchen lichte Wipfel
Rauſchen flüſternd ob der Flut,
Drin verſchneiter Alpengipfel
Abgeſpiegelt Bildnis ruht.
Und es ſtört des Koſens Wonne
Keiner Nachbarzunge Ziſch,
Unſer Tun ſchaut nur die Sonne,
Unſer Wort hört nur der Fiſch.
Dorthin bring' ich Roß und Waffen,
Laute, Hausrat, Hab und Gut...
Hei des Glücks, ein Glück zu ſchaffen
Nur durch ſich und eignen Mut!
Arbeit darf dem Tag nicht mangeln,
Als ein Fiſcher fahr' ich aus,
Karpf' und Alant?* faht mein Angeln,
Hechte ſorgt mein Garn ins Haus.
Doch zur Veſperzeit erſchimmern
Wolken, ganz in Gold getaucht,
Und der See im Widerflimmern
Wogt von gleicher Glut behaucht.
Dann wohlauf..die Feierſtunde
Naht und ſchweigſam trägt das Boot
Uns in weltentrücktem Bunde
Durch des Schilfs Seeabendrot.
Der Papegän**.
Das war Anmut ſonder Ende,
War auf goldnem Grund ein Bild,
Als du durch dein Rebgelände
Niederſtiegſt zum Talgefild'!
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*Alant, im Bodenſee und im ſchwäbiſchen Donaugebiet gebräuchlicher
Name für den Fiſch Squalius cephalus. — ** Mittelhochdeutſche Form für
Papagei; dafür auch Pfittich (B. 10) nach lateiniſch-griechiſch psittacus.
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