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Heinrich von Ofterdingen. 127
Sie ging im Nebel, wie ſie kam,
Noch war der Nacht kein Ende,
Der Schneeſturm ſchier den Mantel nahm
AUUnd das Gebände.
Pfadleuchtend ſchritt die Dienerin
Voraus. Wie Schattenſpiel erſchien
Der Burglaterne Funkeln
Im Dunkeln.
Und als ein ſchweres Morgenrot
Die Wolken glühend ſäumte,
Noch ſtund ich, wie von Freuden tot,
Und fror und träumte.
Von hundert Tritten war die Spur
Im Weg zu Eis verdichtet,
Ich hielt auf einen, einen nur
Das Aug' gerichtet.
Fahr hin zu Berg, nachtwandelnd Glück,
Im Schnee blieb feſt dein Fuß zurück,
Wohl mir, ich weiß die Fährten
Der Werten!
— ———
Tanzlieder“s.
1. Frühlingsreigen.
Schon färbt der Rain ſich bunter,
Schon will ein lauer Föhn
Von Kirſchbaum und Holunder
Den Blütenſchnee verwehn;
O Mai, du machſt mich munter,
Auf neue Fahrt zu gehn,
Denn Zeichen ſind und Wunder
Am Spielgerät geſchehn.
Die Fiedel hub im Schreine
Getöſ' und Schwanken an,
Als wär's von jungem Weine
Den Saiten angetan...
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