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128 Frau Aventiure.
So dörperlich unfeine
Stieß mich der Bogen dann,
Daß ich vom Elfenbeine
Ein blaues Mal gewann.
Und wie ich in der Ecken
Mich nach dem Leitſtab neig',
Ergrünt am dürren Stecken
Ein junggeſproßter Zweig,
Der flüſtert, mich zu necken:
„Verſchlafne Lerche, ſteig',
Laß dich vom Frühling wecken,
Die Welt will tanzen — geig'!“
Nun kreiſt durch alle Glieder
Lenzzauber hüpfend um,
Im ſüßen Duft von Flieder
Schwimmt mein Verſtand ſich dumm:
Steig' auf, umtäub' mich wieder,
Tanzwirbliges Geſumm!
Maikäfer und Mailieder
Schwirren im Haupt herum.
Nun toſet, frohe Scharen,
Im Reigenwettlauf hin!
Die Zugend muß ſich paaren,
Das ſchafft der Welt Gewinn.
So alt ich ſelbſt an Jahren
Und Minnearbeit bin,
Mit Roſen in den Haaren
Küſſ' ich die Nachbarin!
2. Dörpertanzweiſe
u Ehren Heinrichs von Ofterdingen gedichtet).
„Ich versihe mich niuwer maere,
Ins kommt der Stiuraere!“
„Kunech Luarin“, v. 80.
Den Finken des Waldes die Nachtigall ruft:
„Von Geigenſtrich ſchallt es goldrein durch die Luft,
Ihr Zwitſchrer, ihr Schreier, nun ſpart den Diskant,
Der Heini von Steier iſt wieder im Land!“
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