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Heinrich von Ofterdingen. 133
Wohl ſah im Geiſt ein andrer — fahr hin, du alte Wät,
ſo Sich ſchon darin als Wandrer beſtaunt von Burg und
Stadt...
Doch Kunſt ging über Schreiben, mein iſt das Winterkleid!
Er mag mit Händereiben ſich wärmen, wenn es ſchneit!
——
—
Des Schreibers Antwortſpott.
.. ich tugendhafter schriber trit im
zuo mit kampfes gir.
„Wartburgkrieg“, Str. 3.
Heinrich von Ofterdingen — o weh, mein Winterkleid!
Poſaunt von großen Dingen und tut ſie keinerzeit.
An Dieterich von Berne, an wormſiſcher Heldenkraft
Erwürb' mit Sang er gerne die Krone der Meiſterſchaft.
5ͤ Schon hub er an zu dichten — o weh, mein Winterkleid!
„Nun laſſet euch berichten den allergrößten Streit.“
Dabei iſt's dann verblieben, der Faden riß ihm ab...
Acht Wörtlein ſtehn geſchrieben, mehr nicht, was ſich begab.
Herbſtnebel hüllt die Berge — o weh, mein Winterkleid!
10 Wie ſpreizt Laurin der Zwerge ſich prahlig und voll Neid!
Die Recken ſchnarchen im Grabe: O Zeit, wie währſt du
lang, L
Owunderträger Knabe, wann endlich weckt uns dein Sang?
Rügelied
wider Wolfram von Eſchenbach und die übereifrigen Nachahmer fran—
zöſiſcher Art und Dichtung??.
Wãà nu griezwarten? Kampf ist komen!
„Wartburgkrieg“, Str. 4.
Ihr habt den Fahrenden wohl aufgenommen,
Bedankt ſei jeder, der es treu gemeint;
Lang' war ich eurem Sängerbund willkommen,
Und unſre Zithern klangen oft vereint.
5 Mein leiblich Teil fand Raſt und reiche Pflege,
Manch mildes Auge winkt: verweil' dich hier!
Doch eure Wege ſind nicht meine Wege,
Und eine Kluft gähnt zwiſchen euch und mir.
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