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Heinrich von Ofterdingen. 139
„ Mit ihm, ſchwarz angetan in Kloſterſitten,
gungfräulein Reue, ſein geliebtes Kind...
Und alles Laub verwelkt im Wald zur Stunde,
Denn ihnen folgt das dürrſte Schweſternpaar:
Frau Langeweile mit dem Gähnemunde,
Frau Schwermut mit dem aſchenfahlen Haar.
Friſchauf, ihr Fiedler! Mit Poſaun' und Geigen
Begrüßt mein Haus und meiner Gäſte Chor;
Wir ſtampfen unſern Bärenhäuterreigen
Beim dürren Tännlein vor dem Palastor.
45 Das Feſt zu krönen mangelt nur die Herrin,
Die uns ſolch Glück geruhte zu verleihn,
Ein Narr wie ich verdient auch ſeine Närrin:
Frau Aventiure komm, wir harren dein!
x x*
„*
So klang mein Lied, ſpätnächtlich mich zu höhnen
zo Bei leerem Krug und düſterm Kienſpanſtrahl,
Der Gaden ſchwankte in der Windsbraut Stöhnen
Und Regenwolken ſchauerten durchs Tal.
. . . Da hör' ich fern ein ſilbern Hörnlein blaſen...
Hei, ſüßer Ton, wie triffſt du mich ins Herz!
556 Die alte Freundin geiſtert auf den Straßen
Und all mein Sehnen ſchwingt ſich irrfahrtwärts.
Auf und hinaus! bringt Roß und Schwert und Zither!
Geliebtes Traumbild, Dank, daß du mich rufſt!
Nun folg' ich dir als treuſter deiner Ritter,
0° Vergeſſend aller Not, die je du ſchufſt.
Dürr ſind des regelrechten Lebens Kränze,
Die blaue Blume blüht nur im Gedörn;
Auf und hinaus!. Kim ſturmdurchbrauſten Lenze
Fahr' ich dahin und ſuche meinen Stern.
——.p.z
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