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Heinrich von Ofterdingen. 143
III.
Fern im Oſt beginnt die Sonne
Ihren Welterleuchtungsgang,
Frühlingsgrün und Erntewonne
Sproſſen ihrer Spur entlang.
Was da kreucht im dunkeln Tale
Und den Zug zu Gott verſpürt,
Wird von ihr und ihrem Straͤhle
Morgenfreudig angerührt.
Und ſie ſcheint von hohen Warten
Auf der Oſtmark Saatenfeld,
Das als friſchen Neubruchgarten
Deutſche Kraft ſich hier beſtellt.
Gotteshäuſer, Burgen, Städte,
Starker Bauern Einigung,
Wachſen frohſam um die Wette
Mit der Geiſter ernſtem Schwung.
Morgennebel, fein und tauig,
Liegen ob dem jungen Land,
Doch durch ihre Hüllen ſchau' ich,
Was die Zukunft ihm noch plant.
Aufgeprägt mit Pflug und Schwerte
Steht dem Boden rings die Schrift:
„Dieſes iſt geweihte Erde, L
Keine Steppenpferdetrift.
„Reich von deutſchem Blut gedünget
In ſchier hundertjähr'gem Streit,
Von Geſittung neu verjünget
Reift ſie einer guten Zeit,
Und der Chriſtenheit zum Walle
Wird ein Hſterreich erſtehn,
Deſſen Banner wider alle
Heidenſchwärme ſieghaft wehn.“
Drum wohlauf, du frommer Streiter,
Der als Graf die Mark bewacht;
Wohlauf, ihr ſchweren Eiſenreiter,
Deren Reigentanz die Schlacht:
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