Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 150
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0150
150 Frau Aventiure.

mit dem alten grämlichen Gemahl. Die franzöſiſche Frühlings⸗
zeitrechnung iſt der deutſchen um einen Monat voraus. Was
diesſeit des Rheines der Mai vorſtellt: Blütezeit, koſendes Er⸗
wachen der Schönheit und ſtrahlende Zugend, iſt jenſeitig ſchon
der April.

5 Creſtien von Troies ſei darum mit einem Liede aufgeführt,
um an den großen Einfluß zu erinnern, den ſeine zahlreichen
Schöpfungen auf zeitgenöſſiſche deutſche Meiſter ausübten; Wolf—
ram von Eſchenbach wie Hartmann von Aue haben ein gut Leil
ihres epiſchen Ruhmes dem champagniſchen Trouvoère zu ver⸗
danken. Bgl. W. L. Holland, „Creſtien von Troies, eine literatur-
geſchichtliche Unterſuchung“, Tübingen 1854, und „Li romans dou
chevalier au lyon“, Hannover 1862. Den Text des vorſtehenden
Liedes gibt W. Wackernagel, „Altfranzöſiſche Lieder und Leiche“,
Baſel 1846, n“ VIIII.

à ‚Ii rois Richar“ (mitgeteilt von Wackernagel a. a. O., no
XXI mag eine Anſchauung geben, wie in einer Zeit, die keine
gedruckten Parlamentsreden und keine telegraphierten diploma⸗
tiſchen Noten als Mittel der Politik kannte, die „chanson“ ein
mächtig Werkzeug im Munde der Herrſcher ſein konnte. Der
Schmerzensruf des gefangenen Königs an ſeine VBaſallen in Eng-
land und auf dem Feſtland, warnend, ihm bei den Angriffen
der ſeine Haft benützenden Krone Frankreich nicht treubrüchig zu
werden, mahnend, das notwendige Löſegeld mit Anſtrengung
aufzubringen, konnte, durch ergebene Minſtrels von Burg zu
Burg verſungen, aufſtachelnder Wirkung nicht verfehlen. Die
Schweſter, an die der Schluß ſich wendet, iſt wohl Fohanna, ver⸗
mählt in zweiter Ehe mit Raimond V., Grafen von Toulouſe,
den König Richard der Lehenabhängigkeit von ihm und ſeinen
Nachfolgern entbunden hatte, und von dem er für dieſen Dienſt
Gegendienſt zu heiſchen berechtigt war. — Am 24. März 1193
war der auf der Heimkehr von Syrien in Oſterreich Gefangene
auf die Reichsfeſte Drivels eingebracht worden. Die Auftreibung
der auf den gewaltigen Betrag von 100 000 Mark Silbers vor
der Entlaſſung und 50000 nach der Entlaſſung erhöhten Loskauf⸗
ſumme verzögerte ſeine Befreiung. Am letzten Februar 1194
öffnete ſich ihm das deutſche Burgtor für immer. Unter ſeinen
Rittern, die als Geiſeln für Erfüllung der Freilaſſungsbedin—
gungen dem Kaiſer Heinrich VI. ſich ſtellten, war Hugo von Mor⸗
ville, der als Troſt in Haft die franzöſiſche Lanzelotdichtung mit
ſich führte, welche Ulrich von Zazinhoven verdeutſcht hat.


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