Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 153
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Anmerkungen zu S. 41 — 43. 153

Nachtlied. Seite 42.

12 „Wahtaer ich bin komen
f genäâde her ze dir,
nũ gip mir rät: wie Ität ez umb die vrouwen min?“
„„Ich hän vernomen, — “”
wer ſprichet hie ze mir? .
bistũ'z der liepste man? dũ kanst ein teil ze lange ſin.““
„Jãâ ich bin, den dů dâ höhe enpfähen folt,
ich was dir ie mit ganzen triuwen rehte holt,
nu Iage miner frouwen, daz ich hie bin;
ſie ist I5 guot, si lät mich in.“
Otto von Botenlauben, herausgegeben von Bechſtein:
„Buch der Lieder“, Nr. 9.

OHem Landgrafen Hermann den „Parzival“ überreichend.
Seite 43.

Durch San Martes „Leben und Dichten Wolframs von Eſchen⸗
bach“ und die neueren eingehenden Erörterungen in H. Kurz, „Ge-⸗
ſchichte der deutſchen Literatur“ I, 357 ff., und H. Holland, „Ge⸗
ſchichte der altdeutſchen Dichtkunſt in Bayern“ von 109 u. ff. iſt die
Charakteriſierung dieſes beſten Freundes der Frau Aventiure, der
dereinſt ebenſo tapfer als Ritter auf den Feind wie als Dichter
auf den Genius der deutſchen Sprache einſtürmte, in den Haupt-
zügen feſtgeſtellt. Seine eigenen Äußerungen über ſeine gänz—
liche Unkunde der Buchſtaben und deſſen, „was an den Büchern
ſteht geſchrieben“ ( ·Parzival“ 115, 27 und „Willehalm“ 2, 18) geben
der Literaturgeſchichte das merkwürdige und einzige Problem zu
erörtern, daß eines ihrer bedeutſamſten Bücher einem Schrift—
ſteller ſeine Entſtehung verdanken ſoll, der weder leſen noch
ſchreiben konnte.
Die Gelehrten werden daher über die Art und Weiſe ſeines
Dichtens noch immer von verſchiedenen Anſichten beunruhigt.
Man fragt, ob es möglich ſei, ohne ſelbſt Feder oder Griffel zu
handhaben, ein ganzes Epos im Kopf fertig zu bringen; man hat

Bedenken, ob Herr Wolfram reich genug war, einen gebildeten

Knappen oder ſonſt einen Schreiber zu beſolden, und kommt, weil
eines ſolchen von ihm keine Erwähnung geſchieht, zur Anſicht, er
möge doch wohl ſelbſt ſchreibverſtändig geweſen ſein, wobei der
Phantaſie überlaſſen wird, ſich ſeinen „ritterlichen Hausbuchſtaben“
mehr oder minder grob vorzuſtellen.
Die Frage iſt eine techniſche. Wolframs wiederkehrendes,


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