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168 Frau Aventiure.
Zweifelt man auch dieſe Nachricht an, ſo fehlt jede Möglich⸗
keit, ihn anders als einen verſchollenen mythiſchen Namen auf-
zufaſſen. Gibt man ſie als glaubwürdig zu, ſo eröffnet ſich durch
die Nebel ein Blick auf den feſten Punkt, von welchem die epiſche
Erzählung im „König Luarin“ ausgeht, und wohin ſie zurückkehrt,
auf Steyer und die ſchöne, von des paſſauiſchen Biſchof Piligrim
Blutsverwandten, dem Traungaugrafen Ottokar um 980 erbaute
Stiraburg, dem durch Lage und Sage geprieſenen Stammſitz
der Markgrafen des fröhlichen Steyerlandes, deren letzter, Otto-
kar VIII., von der unheilbaren Krankheit Elephantiaſis gequält
und kinderlos 1186 in feierlichem Vertrag von Enns Land und
Mannen an den ihm geſippten und befreundeten Herzog Leo—
pold VI. von Hſterreich übergab und 1192 ſtarb.
Urkunden des Kloſters Wilhering kennen zwiſchen Donau und
Traun ein Dorf Oftherigon und, von Mitte des XII. Fahrhun⸗
derts an, ein ritterliches Geſchlecht, de Oftehringen. Von den
Burgenbeſitzern in dem Gebiet des alten Traungau ſtunden die
meiſten als Lehensleute des Bistums Paſſau und Stände des
ſog. Abteilandes in Beziehungen ſowohl zum biſchöflichen Hofe
in Paſſau als zum markgräflichen in Steyer. Oftherigon liegt
am Abhang des Waldgebirges Kürenberg, welches unweit Kloſter
Wilhering zur Donau ſich ſenkt. Auf der Burg Kürenberg ſaßen
die Ritter Kürenberg, die, wie ſie örtlich Nachbarn der Ofthe-
ringer waren, ſo in den Zeugenreihen der Wilheringer Urkunden
in deren Nähe ihre Stelle einnehmen (Adelramus de Oftheringen
. . . Gualtherus de Cürnberg 1161).
Als Liederdichter von tüchtigem Schrot und Korn eröffnet
der Kürenberger den Reigen der Minneſänger. Kürenbergs Weiſe
aber, die aus vier Langzeilen eigentümlich gebildete Strophe, iſt
die Strophe des Nibelungenliedes, und die Forſchungen von A.
Holtzmann („Unterſuchungen über das Nibelungenlied“, Stuttgart
1854) ſowie von F. Pfeiffer („Der Dichter des Nibelungenliedes;
ein Vortrag“, Wien. 1862) führen auf die durch andere Indizien
unterſtützte Vermutung, daß jener alte lyriſche Dichter auch dem
großen deutſchen Epos nicht fremd ſei. Mannigfache Lücken der
Beweisführung ermöglichen noch immer kein ſicheres Verdikt in
dieſen Fragen, vor deren Abſchluß es zweckmäßig ſein wird, die
Zeit des Biſchof Piligrim von Paſſau, das Verhältnis der in
Bayern und der Oſtmark zur Herrſchaft gekommenen fränkiſchen
Grafengeſchlechter zur rheiniſch-fränkiſchen Stammſage ſowie die
lateiniſche Dichtung der Geiſtlichkeit des 10. Jahrhunderts ſchärfer
ins Aug' zu faſſen. —
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