Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 169
(PDF, 96 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Anmerkungen zu S. 121. 169

Zugegeben nun, daß die Übertragung eines auf Geheiß des
Biſchof Piligrim durch ſeinen Schreiber Konrad lateiniſch ge—
dichteten Werkes in die deutſche Nibelungenſtrophe mit dem Kü⸗
renberger zuſammenhängen kann, ſo möge dem Schreiber dieſer
Blätter, der die Hoffnung nicht hegt, mit exakter Forſchung alle
Rätſel der Vergangenheit löſen zu können, geſtattet ſein, auch des
Kürenbergers Nachbar, den von Ofterdingen, deſſen dichteriſche
Beteiligung an der deutſchen Heldenſage durch den „König Luarin“
beglaubigt wird, ſich in Beziehung zum Nibelungenlied zu denken
und ſeine dichteriſche Perſönlichkeit als einen kunſtbegabten, in
einheimiſcher Tanzreigenführung, Liederluſt und epiſchen Weiſen
wohlgeſchulten Sohn ſeiner traungauiſchen Heimat aufzufaſſen,
der auf den Lehrbänken der Paſſauer Geiſtlichkeit Kunde des La—
teins und der lateiniſchen Dichtungen des Ottoniſchen Zeitalters,
am erlöſchenden Hofe der Ottokare ritterliche Sitte gewonnen und
den „Luarin“ gedichtet, nach des letzten Markgrafen Tode ſich zu
Leopold von Oſterreich, von dieſem nach der Wartburg gewendet,
dort mit den Verehrern formalen franzöſiſchen Weſens und der
unerquicklichen welſchen Artusromane in tiefgehenden Zwieſpalt
geriet, — dann, zur Heimat zurückgedrängt, in großer läuternder
Arbeit, unter Anregung oder Mitwirkung des Kürenbergers, oder
in deſſen geiſtige Erbſchaft eintretend, das Nibelungenlied der
lateiniſchen Hülle des 10. Fahrhunderts entkleidete, um als letzten
verſöhnenden Abſchluß des Sängerkrieges dem Thüringer Land-
grafen das vaterländiſche Epos in vaterländiſcher Geſtalt über—
reichen zu können.
Soweit auch A. von Spaun („Heinrich von Ofterdingen und
das Nibelungenlied“, Linz 1840) an den wiſſenſchaftlich erreich—
baren Zielen vorüberſtreift, ſo liegt ſeinen Anſichten doch ein ge—
wiſſer feinfühliger Zug zugrunde..Kaber, wie geſagt, die Nebel
wallen über den berühmten Dichter ohne Lied und das berühmte
Lied ohne Dichter noch immer unzerteilt hin und her.

Abſchied von der Stiraburg. Seite 121.
538 In horum insignibus panthera alba in campo, ut vocant,
viridi splendebat, ore ac auribus ignem evomens. Wolfg. Lazii
de gent. migrat., p. 223.
Der weiße Panther im grünen Feld, noch heute über dem
Stadttor von Steyer als Wappentier wahrzunehmen. Einen
„pantel, von zoble *fsinen schild geslagen“, trägt im „Parzival“
101, 7 Gahmuretens Vater — ein Panther war auch im Wappen
der Herzoge von Kärnten lavanthaliſchen Geſchlechts und der


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