Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 170
(PDF, 96 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0170
170 Frau Aventiure.

Grafen von Bilſtein. Bgl. Cäſar, „Staats- und Kirchen⸗
geſchichte des Herzogtum Steiermark“, III, 61—69.
54 . zuo der linde breit
wäâ der Kunech Luarin
& do stal daz magedin.
„Luarin“ 2818.

Tanzlieder. Seite 127.

55 Die Geſtaltung neuer Tanzreigen in der anmutigen Ver⸗
bindung von Geſang, Muſik, mimiſch bewegten Gruppen und
meiſt auch gut gewählter landſchaftlicher Umrahmung zu einem
lebenden Bilde der lebensvollſten Art gehörte zu den dankbaren
Aufgaben, die ein zwangloſer Fröhlichkeit nicht entwachſenes Ge⸗
ſchlecht ſeinen Sängern ſtellte, und wurde in mannigfachſter Art zu
löſen verſucht. Von dem langſam und wohlbemeſſen dahin wandeln⸗
den Schreittanze, bei welchem die Tänzer kaum die Fingerſpitzen
ihrer Damen berührten, bis zu den ausgelaſſenen „Hoppaldei“
und „Troialdei“, die in üppigen Sprüngen ihren Höhepunkt er⸗
reichten, eröffnete ſich begabten Erfindern, die wo möglich die
gevierfachte Eigenſchaft des Dichters, Komponiſten, Vorſängers
und Vortänzers in ihrer Perſon zu vereinigen hatten, ein weites
Gebiet, das auch in allen Abſtufungen von feiner Sitte bis zu wilder
Tollheit von den einzelnen nach Maßgabe der Anforderungen, die
ſie an ſich und ihre Kunſt zu ſtellen vermochten, ausgebeutet wurde.
Der Grundton der uralten volkstümlichen Maifeier und ihrer
ewig neu im Menſchenherzen aufknoſpenden Luſt klingt durch die
zahlreichen Frühlingsreigen durch; trotz geiſtlicher Ereiferungen
wider der Choraula betäubende Wirbel tanzte die ländliche Be—
völkerung im Freien, wenn der erſte „Viol“ gefunden war, und
ſo lange Heide und Anger in Freuden ſtand, bis daß das Laub ſich
falbte. Auch die höfiſchen Geſellſchaftskreiſe ließen ſich zu Tanz
und Spiel aus den Sälen in die umfriedeten Baumgärten und
Lindengänge verlocken, wo der bemeſſene Schleifſchritt der feier-
lichen Umgänge zuweilen mit minder fanftem Tempo vertauſcht
worden ſein mag. Die Motive der Tanzlieder waren mit glück-
lichem Takt meiſt ſo gewählt, daß ſie gleichzeitig ein muſikaliſch
und ein plaſtiſch darſtellbares Element enthielten. Thüringen und
Oſterreich werden als Hauptpflegeſtätten der Reigenluſt namhaft
gemacht. Von erſterem Volksſtamm meldet ein Gedenkreim fah⸗
render Schüler: hospitat invitus vagos sed honeste chorizat und
Wolfram von Eſchenbach gedenkt, vielleicht in ſpöttelndem Ton,
der neuen Tänze, deren in ſeiner Zeit viele von dort kamen:


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