Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 180
(PDF, 96 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0180
180 Der Trompeter von Säckingen.

Obervogtes der Herrſchaften Laufenburg und Rheinfelden und
der kgl. Majeſtät zu Hiſpanien obriſten Leutnants, gegen den
Willen der Verwandten ſich verheiratet, und es bedurfte höheren
Eingreifens, ihn vor deren Verfolgungen zu ſchützen. Freilich war
es nicht der Vater des Fräuleins, der dieſer Vermählung wider⸗
ſtrebte. Maria Urſula hatte ſieben Geſchwiſter; ihre Mutter, eine
geborene Elſäſſerin, Maria Salome Zurhein, die zweite Gattin
ihres Vaters, überlebte den Gatten, der lange vor der Vermäh—
lung der Tochter, ſpäteſtens 1642, ſtarb, um faſt ein halbes Fahr-
hundert. Die Verfolger Kirchhofers waren ſeine Schwäger, die
Freiherren — erſt ſie führten dieſen Titel — Franz Rudolf und



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Otto Heinrich von Schönau, die ihn „an ſeiner bißher geſuechten
Fortun zu verhindern und bei ſeinem zu Seckhingen habenden

bürgerlichen Sitz nit gedulden wollten, ſondern gar aus dem Vater⸗
landt gewalthetiger Weis zu vertreiben ſich eiſſeriſt bearbeiteten“,
auch die „ſeiner Ehewürthin vor etlich Fahren bereits angefallen
und anerwachſene gewiſſe vätterliche Erbsportion“ vorenthielten.
Auf Kirchhofers Beſchwerde an die vorderöſterreichiſche Regie—
rung befahl Erzherzog Ferdinand Karl — die Sage hat ihn durch
den Kaiſer erſetzt — den Brüdern und der geſamten Schönauiſchen
Familie unter Strafandrohung, von weiteren Verfolgungen ab—
zuſtehen, und Kirchhofer ſcheint auch ſonſt zu dem Seinigen ge—
kommen zu ſein. Denn er war ſpäterhin in guten Verhältniſſen,
Mitglied des Rats in Säckingen, Fleiſchſchätzer und Weinumgelder,
vielleicht auch Leiter des Münſterchors, da er nach Rechnungen der
Stiftsſchaffnei des Fridolinimünſters von dort Chorgelder empfing.
Es bedarf keiner Ausführung, wie nahe Scheffel ſich an die
Säckinger Sage gehalten hat; in ihr waren für ihn die Grund⸗
züge ſeiner Handlung gegeben. Nur ließ er den Helden von Hei⸗
delberg nach Säckingen kommen und ſtatt nach Wien nach Rom
gehen, beides ſichtlich nach dem Vorbilde des eigenen Lebens-
ganges; damit war die Erſetzung des Kaiſers durch den Papſt ge⸗
geben. Mit blühendem Fleiſche aber umkleidete der Dichter das
dürftige Gerippe der eigentlichen Handlung durch die bewegte,
mit tauſend lebendigen Einzelheiten ausgeſtattete Schilderung der
Umwelt, in der ſeine Geſtalten ſich bewegen. Es iſt der Boden,
auf dem ſie ſtehen, die oberrheiniſche Landſchaft um Säckingen,
die hier ebenſo in der liebenswürdigen Gegenwart ihrer Natur

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