Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 185
(PDF, 96 MB)
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Einleitung des gerausgebers. 185

wendung des Tieres bei beiden Dichtern die gleiche, „nämlich die
gronie, welche den Menſchen in ſeinem ärmlichen Tun und Trei⸗

ben verhöhnt“, wie Hoffmann ſagte, ſo iſt daneben doch ein Unter⸗

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ſchied deutlich: Kater Murr gibt die Fronie nur mittelbar, er lebt
ſie als eingebildeter Schriftſteller und enger Philiſter, als Student
und Katzenburſche; Hiddigeigei ſpricht ſie unmittelbar in ſeinen Be⸗
trachtungen aus. Hier iſt Hoffmanns Kater als Vorbild verdrängt
durch den Bären Atta Troll. Hiddigeigeis menſchenverachtende
Cierphiloſophie, wie die mancher anderen Naturweſen unſerer
Dichtung, hat ihren Ausgang in den witzigen Tiraden des Bären
gegen die Menſchen, die ſich Herren der Schöpfung dünken:
„Tod und Hölle! Dieſe Menſchen,
Dieſe Erzariſtokraten,
Schaun auf das geſamte Tierreich
Frech und adelſtolz herunter.“
Und doch ſind ſie um nichts beſſer als die Tiere: „Aufrecht tragt
ihr zwar das Haupt, jedoch im Haupte kriechen niedrig die Ge—
danken.“ Und wenn Hiddigeigei ſich den Weltenbau aus der
Katzenperſpektive zurechtlegt, die Folge der Zahreszeiten von zwei
alten weißen Katzen rühren läßt, die, im Mittelpunkt der Dinge
ſtehend, die Achſe der Erde drehen, ſo hat ſchon Atta Troll vom
Bärengeſichtswinkel aus ſich das Weltweſen erklärt:
„Droben in dem Sternenzelte,
Auf dem goldnen Herrſcherſtuhle,
Weltregierend, majeſtätiſch
Sitzt ein koloſſaler Eisbär.“
Auch die metriſche Form hat der „Trompeter“ mehr aus jener
Dichtung als aus ſpaniſcher und ſerbiſcher Epik empfangen, ſo
gut Scheffel die auch kannte. Die läſſige Handhabung der trochãi⸗
ſchen Verſe erſcheint bei ihm noch geſteigert, der faſt grundſätzliche
Überlauf des Satzzuſammenhangs über das Versende läßt faſt nur
eine rhythmiſch geregelte Proſa entſtehen, die der realiſtiſchen Hal⸗
tung der Dichtung wohl anſteht. Im übrigen iſt gerade die ganze
Architektur der Sprache und ihrer Verteilung auf den Vers aufs
ſtärkſte von Heine beeinflußt, wie auch die witzige Einſtellung
der Dichtung dieſem Vorbilde im ganzen und einzelnen ſo man—
ches verdankt, wobei denn freilich der liebevolle Humor Scheffels
von Heines frecher Bosheit weit genug entfernt blieb. Nicht min-


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