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Der Trompeter von Säckingen.
Tönet Hufſchlag — mühſam ſuchet
Durch den ſchneeverdeckten Waldpfad
Sich ein Reitersmann den Ausweg.
Luſtig flatterte im Winde
Ihm der lange graue Mantel,
Flatterten die blonden Locken,
Und vom aufgekrempten Hute
Nickte keck die Reiherfeder.
Um die Lippen zog der erſte
Flaum des Barts ſich, den die Damen
Schätzen, denn er gibt die Kunde,
Daß ſein Träger zwar ein Mann, doch
Seine Küſſe nicht verwunden.
Der jedoch ſchien zarte Mündlein
Noch nicht viel berührt zu haben,
Und als wie zum Spotte macht' ihn
Schnee und Reif ſchier weiß erglänzen.
Aus den blauen Augen flammte
Glut und Milde, ſinn'ger Ernſt ihm,
Und es brauchte nicht des langen
Korbbewehrten Rauferdegens,
Der vom ſchwarzen Wehrgehänge
Schier hinab zum Boden ſtreift', um
Anzudeuten, daß die Fauſt inh
Ritterlich zu führen wiſſe.
Um das zugeknöpfte Reitwams
Schlang ein Band ſich, dran hing glänzend
Die vergüldete Trompete.
Vor Schneeflocken ſie zu ſchützen,
Schlug er oft um ſie den Mantel;
Aber wenn der Wind ſich drein fing,
Daß ſie ſchrill anhub zu tönen,
Dann umſpielte ſeinen Mund ein
Sonderbar wehmütig Lächeln. —
Schweigſam durch des Waldes Dickicht
Ritt er fürbaß, oftmals ſchweiften
Seine Blicke — ſo wie eines,
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