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Der Trompeter von Säckingen.
Um ihn ſprang mit frohem Bellen
Zottig, weiß, ein Rüdenpaar.
Ihr dort, die im Dunſt der Städte
Mauern trennen und Gedanken
Von real einfachem Leben:
Zuckt die Achſeln! denn mein Sang will
Freudig einen Kranz hier winden
Für den Pfarrherrn auf dem Lande.
Schlicht ſein Leben — wo des Dorfes
Feldmark aufhört, waren auch die
Grenzen ſeiner Wirkſamkeit.
Drauß im Dreißigjähr'gen Kriege
Schlugen ſie zur Ehre Gottes
Sich die Schädel ein, ihm hatten
Längſt die ſtillen Schwarzwaldtannen
Friede ins Gemüt gerauſcht.
Spinnweb lag auf ſeinen Büchern,
Und zu zweifeln ſteht, ob aus dem
Schwarm des theolog'ſchen Haders
Er nur eine Schrift geleſen.
Überhaupt war's mit Dogmatik
Und des Wiſſens ſchwerem Rüſtzeug
Spärlich ſehr bei ihm beſtellt.
Aber wo's in der Gemeinde
Einen Span galt auszugleichen,
Wo die Nachbarn hämiſch ſtritten,
Wo der Dämon böſer Zwietracht
Ehe ſtört' und Kindestreue,
Wo des Tages Not und Elend
Schwer den armen Mann bedrückte,
Und die hilfbedürft'ge Seele
Sich nach Troſt und Zuſpruch ſehnte,
Da, als Friedensbote, kam der
Alte Herr einhergeſchritten,
Wußt' für jeden aus dem Schatze
Reichen Herzens Rat und Labſal.
Und wenn drauß in ferner Hütte
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