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Der Trompeter von Säckingen.
Einen Ohrenſchmaus bereiten?
Oder war's ein Zeichen, wie das
Hifthorn des veérirrten Fägers?
Ihr ſeid fremd, ich ſeh's am Zuſchnitt
Des Kolletts, am langen Degen;
Weit iſt's nach dem Städtlein unten
Und der Weg kaum praktikabel.
Schaut, ſchon ziehn des Rheines Nebel
Sich herauf zu unſern Wäldern,
Und es ſcheint mir ſehr geraten,
Daß Ihr Obdach bei mir nehmet;
Dort im Tale ſteht mein Pfarrhaus,
Einfach iſt's — doch Roß und Reiter
Finden leidlich Unterkunft.“
Sprach der Reiter: „Fremd in fremdem
Lande ſteh' ich und hab' wirklich
Noch nicht näher reflektieret,
WVWo ich heute Nachtruh' halte.
Nöt'genfalls zwar ſchläft ein freies
Herz auch gut in freiem Walde,
Doch ſolch freundlich Anerbieten
Nehm' ich dankbar an — ich folg' Euch.“
Losband er das Roß vom Tannſtumpf,
Führt' es ſorgſam an dem Zügel,
Und es ſchritten Pfarr' und Reiter
Nach dem Dorf wie alte Freunde
In des Abends Dämmerung.
Dort am Pfarrhausfenſter ſtand die
Schaffnerin und ſah's bedenklich;
Traurig hob ſie ihre Hände,
Traurig nahm ſie eine Priſe:
„Heil'ge Agnes, heil'ge Agnes,
Steh mir bei in meinen Nöten!
— Schleppt mein allzu gütiger Herre
Mir ſchon wieder einen Gaſt her;
Wie wird der in Küch' und Keller
Greuliche Verwüſtung bringen!
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