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Der Trompeter von Säckingen.
Und ich hoff', daß Ihr nicht minder
Schöne Fatal mir erzählet
Als Odyſſeus, drum behaglich
Setzt Euch auf die Bank des warmen
Kachelofens, dieſer iſt ein
Brütneſt trefflicher Gedanken,
Iſt auch nach Schwarzwälder Brauch der
Ehrenſitz für den Erzähler,
Und ich hör' Euch zu mit Spannung.
An den Stürmen wilder Jugend
Freut ſich das geſetzte Alter.“
Sprach der Züngling: „Leider bin ich
Kein geprüfter Dulder, hab' auch
Weder Flium verwüſtet
Noch den Polyphem geblendet,
Und noch wen'ger hab' ich eine
Königstochter je getroffen,
Die bei Anlaß großer Wäſche
Huldvoll meiner ſich erbarmt hätt'.
Gern doch folg' ich Eurer Mahnung.“
Auf des rieſ'gen Ofens Bänklein
Setzt' er ſich, es war belegt mit
Platten von glaſiertem Tone,
Ihm entſtrahlt anmut'ge Wärme.
Und der Pfarrherr winkt ihm, daß er
Sonder Scheu die Füße ſtrecke.
Dies zwar tat er nicht, doch ſchlürft' er
Einen Schluck des roten Weines
Und begann drauf zu erzählen:
„Der hier ſitzt, heißt Werner Kirchhof,
In der Pfalz iſt meine Heimat,
In der Pfalz, zu Heidelberg.
‚Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
1 Schickſale.
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