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2. Zung Werner beim Schwarzwälder Pfarrherrn. 213
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‚Stadt fröhlicher Geſellen,
An Weisheit ſchwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blitzen drein.
And kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein ſchimmernd Brautgewand.
‚Auch mir ſtehſt du geſchrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir ſo traut.
And ſtechen mich die Dornen,
Und wird mir's drauß zu kahl,
Geb' ich dem Roß die Spornen
Und reit' ins Neckartal.“
„Dort am Neckar hab' den füßen
Traum der Kindheit ich geträumt,
Bin auch in der Schub geſeſſen,
Hab' Latein gelernt und Griechiſch,
Und ein immerdurſt'ger Spielmann
Lehrt' mich früh Trompete blaſen.
Wie ich achtzehn Fahr geworden,
Sprach der Vormund: ‚Junger Werner,
Seid begabt mit hellem Kopf und
Leidlichem Ingenium,
Seid vom rechten Holz geſchnitten,
Ihr müßt ein Furiſte werden.
Das bringt Ehr' und Amt und Würden,
Bringt auch güldene Dukaten,
Und mir iſt, ich ſeh' Euch ſchon als
Seiner Kurfürſtlichen Gnaden
Wohlbeſtallten Amtmann, und ich
Zieh' dann ſelbſt vor Euch den Hut ab.
Ja ſchier wag' ich die Vermutung,
So Ihr Euch nur wacker haltet,
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