http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0216
216
Der Trompeter von Säckingen.
Nach der Heugaſſ', nach dem Pfandhaus.
Levi Ben Machol, der ſchnöde
Jude mit den ſcheelen Augen,
Nahm's in ſeine Vaterarme, —
Nahm's und zahlte zwei Dublonen:
Mög's von ihm ein andrer löſen!
„Bin ein kecker Burſch dann worden,
Streifte viel durch Berg und Täler,
Streifte nächtlich durch die Straßen
Sporenklirrend, ſerenadend,
Und ſo einer ſchief wollt' blicken,
Fuhr die Hand mir an die Wehre:
‚Zur Menſur! Die Klingen bindet!
Los! — Das ſchwirrte durch die Lüfte,
Und auf manche glatte Wange
Hat mein Schläger flott und ſchneidig
Sich ein Stammbuchblatt geſchrieben.
„Hab' mich auch, ich muß geſtehen,
Nicht ſtets in ſehr feingewählter
Companey herumgetrieben,
Und am liebſten ſaß ich trinkend
Oben im Pfalzgrafenſchloſſe
Bei dem Wunder unſrer Tage,
Bei dem Kunſtwerk deutſchen Denkens,
Bei dem Heidelberger Faß.
Ein ehrwürd'ger Siedler hauſte
Dort, es war des Kurfürſts Hofnarr,
War mein alter Freund Perkéo'.
Der hatt' aus des Lebens Stürmen
Zu kontemplativer Trinkung
Sich hieher zurückgezogen,
Und der Keller war Aſyl ihm.
Lebte drin in ſinn'ger Pflege
Seiner und des großen Faſſes,
Und er liebt' es — treu're Liebe
Nimmer hat die Welt geſehen, —
1 Bgl. das „Gaudeamus“-Gedicht, Bb. 1, S. 67.
9⁴⁰
94⁵
95⁵⁰
955
965⁵
970
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0216