http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0221
1120
1125
113³⁰
115⁵⁵
11⁴4⁰
114⁵
115⁵0⁰
2. Zung Werner beim Schwarzwälder Pfarrherrn. 221
Alſo kam ich in den Schwarzwald.
Doch ſo Euch, mein edler Hauswirt,
Ob der langen Red' nicht etwa
Jäher Schlaf hat angewandelt,
Und Ihr mir mit gutem Rate
Beiſteht, bin ich Euch verbunden.“
Lächelnd ſtieß der alte Pfarrherr
Mit ihm an, und lächelnd ſprach er:
„'s iſt noch gnädig abgegangen,
Und ich weiß ein ander Lied von
Einem jung jung Zimmergeſellen,
Einer ſchönen Frau Markgräfin
Und von einem hohen Galgen.
Faſt ſcheint guter Rat hier teuer,
Und in meiner Kaſuiſtik⸗
Steht der Fall nicht aufgezeichnet,
Was dem Manne ſei zu raten,
Der Pfalzgräfinnen anſinget,
Rechtsweisheit ins Leihhaus bringet
Und mit der Trompete kecklich
Sich die Zukunft will erblaſen.
Doch wenn Menſchenfürwitz ſtillſteht,
Helfen gnädig die im Himmel.
Drunten in der reichen Waldſtadt,
In Säckingen, iſt ein guter
Schutzpatron für junge Leute,
Iſt der heil'ge Fridolinus.
Morgen iſt des Heil'gen Feſttag.
Der hat keinen noch verlaſſen,
Der um Hilf' ihn bittend anging:
Wendet Euch an Fridolinum!“
—- —,— ——
1 Altes und weitverbreitetes Volkslied, von Goethe 1771 im Elfaß auf⸗
gezeichnet: ein Zimmergeſell baut einem Markgrafen ein Haus, wird von der
Markgräfin verführt, von ihrem Gatten zum Tode am Galgen, den er ſelbſt
bauen muß, verurteilt, aber begnadigt. — ² Wiſſenſchaft von der Entſchei⸗
dung in Gewiſſensfällen, den Casus conscientiae.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0221