http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0223
1185⁵
1190
1195
120⁰
120⁵
12¹⁰
1215
3. Der Fridolinustag. 223
Aber ſeit mir die verfluchten
Scharfen Alemannenſpieße
Allzunah ums Ohr gepfiffen,
Seit der ſchweren Schlacht bei Zülpich,
Bin ich andrer Anſicht worden,
— Not lehrt auch die Könige betent.
Schutz drum geb' ich, wo ihr hinzieht,
Und empfehl' hauptſächlich euch am
Oberrhein die Alemannen,
Dieſe haben ſchwere Schädel,
Dieſe ſind noch trotz'ge Heiden,
Macht mir dieſe fromm und artig.“
Weiter zog das fromme Häuflein,
Zog in die helvetiſchen Gauen;
Dort begann die ernſte Arbeit,
Und des Kreuzes Zeichen wurde
Aufgeſteckt am Fuß des Säntis,
Aufgeſteckt am Schwäb'ſchen Meer.
Von dem Fura ſtieg hernieder
Fridolin — er ſah die Trümmer
Von Auguſta Rauracorumè,
Römermauern — noch entragten
Aus dem Schutt des grünen Tals die
Säulen des Serapistempels.
Doch Altar und Göttercella
War von Diſteln überſponnen,
Und des Gotts baſaltnen Stierkopf
Hatt' ein alemann'ſcher Bauer,
Deſſen Ahn vielleicht den letzten
Prieſter des Serapis totſchlug,
Über ſeinen Stall gemauert.
Fridolin ſah's und bekreuzt' ſich
Und ſchritt weiter, ſchritt rheinaufwärts,
Freudig ob des jungen Stromes.
1 Die Sage bringt Chlodwigs Bekehrung zum Chriſtentum im Zahre 496
mit ſeinem im gleichem Fahre angeblich bei Zülpich über die Alemannen
errungenen Siege in Verbindung. — ² Augſt bei Baſel; vgl. unten „Hugideo“.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0223