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228 Der Trompeter von Säckingen.
Die mir hold und gnädig waren,
Die den Eh'gemahl mir ſchenkten,
Meinen braven Siegebert;
Wenn ich einſt zu ſterben gehe,
Würd' ich den nicht wieder finden,
Und zu ihm geht all mein Sehnen;
Will begraben ſein im Walde,
Wo bei miſtelſchwerem Tannbaum
Die Alraunwurz heimlich aufſprießt,
Will kein Kreuz auf meinem Grabe,
Andern mög' es Segen bringen.“
Fridolinus aber legte
Noch desſelben Tags den Grundſtein
Zu dem Kloſter und zum Städtlein,
Und ſein Werk gedieh in friſchem
Wachstum — rings in allen Gauen
Ward der heil'ge Mann geehrt.
Als er einſtmals wieder eintrat
Zu Paris in Chlodwigs Hofburg,
Setzt' der König ihn zur Rechten
Und ließ in ſolenner Schenkung
Seinem Stift die Inſel und viel
Ander Land zu eigen ſchreiben.
Za, er ward ein großer Heil'ger.
Kennt die Mär ihr vom Gerichtstag
Und vom toten Grafen Urſus',
Wie ſie am Portal der Kirch' noch
Itzt ein ſteinern Standbild kündet?
Ja, er ward ein großer Heil'ger,
Ihn verehrt als Schutzpatron noch
Heut das Rheintal; auf den Bergen
Läßt der Bauersmann noch heut den
Erſtgebornen Fridli taufen.
* *
„
Wohlgemut am ſechſten Märzen
Schied jung Werner aus dem Pfarrhof:
1 Bgl. das Gedicht „Sankt Fridolin“, Bd. 1 („Nachleſe zu den Gedichten“).
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