http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0229
1405
1410
14¹⁵⁶
142²⁰
1425
143⁰
1435⁵
3. Der Fridolinustag. 229
Dankend ſchüttelt er die Hand dem
Biedern Pfarrherrn, der ihm freundlich
Glück auf ſeine Fahrten wünſchte.
Auch die Schaffnerin war völlig
Ausgeſöhnet mit dem Gaſte,
Und verſchämt errötend ſchlug ſie
Ihre alten Augen nieder,
Als jung Werner ſcherzend ihr zum
Abſchied eine Kußhand zuwarf.
Bellend ſprangen beide Hunde
Weit noch mit dem Reitersmann.
Freundlich ſchien die Märzenſonne
Auf die Stadt Sankt Fridolini,
Leis verhallten von dem Münſter
Feierliche Orgeltöne,
Als jung Werner durch das Tor ritt.
Eilig ſucht' er für ſein Rößlein
Unterkommen — und er ſchritt dann
Nach dem buntbelebten Marktplatz,
Schritt hinauf zum grauen Hochſtift,
Zum Portal entblößten Hauptes
Trat er und erſah den großen
Feſtzug itzt vorüberziehn.
In der Kriegsnot lag geflüchtet
Der Reliquienſchrein des Heil'gen
In der Laufenburger Feſte.
Die im Städtlein hatten ſeine
Gegenwart oft ſchwer vermißt, und
Jetzt, wo Friede in dem Land war,
Trachteten mit neuem Eifer
Sie den Heil'gen zu verehren.
Am Beginn des Zuges war die
Schar der Kinder, feſtesfreudig.
Aber wenn ſie luſtig ſcherzten,
Kam der graue Oberlehrer,
Zupft' ſie ſcheltend an den Ohren:
„Still geblieben, kleines Bölklein!
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0229