http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0230
23⁰
Der Trompeter von Säckingen.
Hütet euch, ſolch loſes Schwatzen
Möcht' Sankt Fridolinus hören,
Der iſt ein geſtrenger Heil'ger,
Der verklagt euch in dem Himmel.“
Zwölf Fünglinge trugen dann den
Sarg, geſchmückt mit Gold und Silber
Barg des Heiligen Gebein er.
Trugen ihn und ſangen leiſe:
„Der du hoch im Himmel wohneſt,
Schaue gnädig auf dein Städtlein,
Schließ' es gnädig ins Gebet ein,
Fridoline! Fridoline!
Leih auch fürder deinen Schutz uns,
Wolle gnädig vor Gefahren,
Krieg und Peſtilenz uns wahren,
Fridoline! Fridoline!“
Der Dechant und die Kapläne
Folgten ihnen, — kerzentragend
Schritt der junge Bürgermeiſter,
Schritten die wohlweiſen Ratsherrn
Und die andern Würdenträger:
Amtmann und Renteiverwalter,
Syndikus, Notar und Anwalt,
Auch der alte Oberförſter.
(Der nur des Dekorums halber,
Denn mit Prozeſſion und Kirche
Stand er nicht auf beſtem Fuße,
Betet' lieber drauß im Walde.)
Selbſt der Weibel und Gerichtsbot'
Saßen heut zu dieſer Stunde
Nicht bei dem gewohnten Frühtrunk,
Sondern gingen ernſt im Zuge.
Dann im dunkeln ſpan'ſchen Mantel,
Dran das weiße Kreuz erglänzte,
Schritten die Deutſch-Ordensherren,
Kommentur und Rittersmänner.
Drauß in Beuggen ſtand am Rhein das
Wohlbewehrte Haus des Ordens,
1440
1445
1460
1465
1460
1465
147⁰
1475
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0230