Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 231
(PDF, 96 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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3. Der Fridolinustag. 231

Und in früher Morgenſtunde
Waren ſie heraufgeritten.
Drauf die ſchwarzen, ernſten, alten
Edeldamen aus dem Hochſtift;
Voraus bei der blauen Fahne
Ging die greiſe Fürſtabtiſſin,
Und ſie dachte: „Fridoline,
Biſt ein lieber, guter Heil'ger,
Eins doch kannſt mir nimmer bringen,
Eins: die güldne Zeit der Zugend.
Süß war's einſt vor fünfzig Fahren,
Als die Wang' wie Roſen blühte,
Und im Spinngeweb' der Blicke
Manch ein Edelmann blieb hangen!
Lang ſchon tu' dafür ich Buße
Und ich hoff', es iſt vergeben.
Runzeln furchen itzt die Stirne;
Welk die Wangen, welk die Lippe,
Und im Munde klafft die Zahnluck'.“

An der Edeldamen Reihe
Schloſſen ſich die Bürgerfrauen,
Schloß der Zug ſich der Matronen.
Eine nur, im Werktagskleide,
Mußte ſeitab ſtehn vom Zuge,
's war die Wirtin aus der alten
Herberg' zu dem „Güldnen Knopfe“,
Alſo wollt's der ſtrenge Feſtbrauch.

Dort — ſo meldet uns die Sage,
Stand ſchon in den Heidenzeiten
Eine Herberg' — Fridolin auch,
Als zuerſt er auf die Inſel
Seinen Fuß ſetzt', ſucht' dort Obdach.
Doch es war der Wirt ein grober
Heide — ſprach zum heil'gen Manne:
„Kann die Miſſionär' nicht brauchen,
Die die alten Götter ſchmähen
Und gewöhnlich keinen roten


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