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Der Trompeter von Säckingen.
Schäumend goldnen Gerſtenſaft.
Pfropfen ſprangen, Becher klangen,
Und manch ungeheurer Humpen
Ward zu Ehren Fridolini
Von den Herrn hinabgeſtürzt;
Schmunzelnd überſchaut' der Wirt die
Zahl der leergetrunknen Fäßlein,
Und mit andächtigem Blicke
Kreidet er ſie an die Tafel.
Draußen bei dem Tore, wo der
Bauersmann die Einkehr nimmt,
Klang Muſik, die Fiedel ſtreichend
Saß dort mit gekreuzten Beinen
Schwefelhanns, der alte Geiger,
Und in ungefügem Tanze
Schwang die Dirn'’ der blonde ſtarke
Hauenſteiner Bauernjüngling.
Dröhnend knarrte oft der Boden
Ob dem plumpen Fußgeſtampfe,
Und der Kalk fiel von den Wänden,
Alſo mächtig klang ihr Fauchzen.
Naſerümpfend ſah's von weitem
Manch neugierig ſchmuckes Stadtkind,
Und doch dacht's im Herzensgrunde:
„Lieber grob als gar nicht tanzen!“
Die geſetzten Mannen ſaßen
Fern vom Tarnze in der Zechſtub';
Und wie einſtmals ihre Ahnen
Sich den Wodansjulrauſch tranken,
Tranken, zäh hiſtor'ſchen Sinnes,
Sie den Fridolinusbrand itzt.
Traurig zupft die treue Gattin
Manchen an dem breiten Rockſchoß,
Wenn der zweite, wenn der dritte
Harte Taler auf dem Tiſch klingt,
Aber ruhig ſpricht der Eh'herr:
„Teures Weib, gebiete deinen
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