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Der Trompeter von Säckingen.
Rauſchend ſtieg er aus den Fluten,
Einen Schilfkranz in den Locken,
Einen Schilfſtab in der Rechten.
Ihn erkannte Meiſter Werner,
Dem als Sonntagskind vergönnt war,
Mehr zu ſchauen als manch andrer,
Und er grüßte ihn reſpektvoll.
Lächelnd ſprach zu ihm der Rhein drauf:
„Fürcht' dich nicht, mein junger Träumer,
Denn ich weiß, wo dich der Schuh drückt,
Komiſch ſeid ihr doch, ihr Menſchen,
Glaubt, ihr tragt ein ſtill Geheimnis
Durch die Welt und ſchwärmet einſam,
Und es ſieht's ein jeder Käfer,
Sieht's die Mücke, ſieht's die Schnake,
Sieht's an eurer heißen Stirne,
Sieht's an eurem feuchten Blicke,
Daß die Lieb' in euch gefahren.
Fürcht' dich nicht, ich kenn' die Liebe; —
Hab' auf meinen Waſſerfahrten
Manchen falſchen, manchen echten
Treuſchwur in roman'ſcher, deutſcher,
Wie holländ'ſcher Zung' vernommen
(Letztre waren meiſt ſehr nüchtern),
Habe nächtlich auch am Ufer
Manch ein Koſen, manch ein Küſſen
Schon erlauſcht und hab' geſchwiegen.
Nahm auch manchen armen Teufel,
Den der Kummer tief ins Herz biß,
Tröſtend auf in meinen Fluten,
Und die Waſſerfrauen ſangen
Ihm ein Schlummerlied, — und ſorgſam
Trug ich ihn an ferne Ufer.
Unter Weiden, unter Schilfrohr,
Fern von allen böſen Zungen,
Ruht ſich's ſanft von falſcher Liebe.
Manchen hab' ich ſo beſtattet,
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