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Der Trompeter von Säckingen.
Müd die müden Wellen ſchleppe,
Und die Windmühl' trocken klappert,
Überfliegt mich's oft wie füßes
Heimweh nach der Zugendliebe,
Und es tönt mein dumpfes Rauſchen
Weithin durch die kahlen Felder,
Weit hinaus bis in die Nordſee,
Aber keiner dort verſteht mich.
„Fürcht' dich nicht, ich kenn' die Liebe,
Und ich kenn' euch, deutſche Träumer,
Die an meinen Ufern wohnen.
Bin ich ſelbſt doch euer Abbild,
Und des deutſchen Volks Geſchichte,
Sturm und Drang und bittres Ende
Steht in meinem Lauf geſchrieben.
Ich auch komm' aus märchenhafter
Heimat, — fremde Alpengeiſter
Stehn an eiskriſtallner Wieg' mir
Und geleiten mich ans Tagslicht.
Stark und wild iſt meine Kindheit,
Und wer zählt die Felſenblöcke,
Die ich brauſend dort zerſchmettre
Und emporwerf' wie im Ballſpiel?
Friſch und flott durchſchwimm' ich dann das
Schwäb'ſche Meer und unverſehret
Trag' ich meine ſtolze Jugend
Weiter in die deutſchen Gau'n.
Und noch einmal ſteigt die ganze
Duftumhauchte Stromromantik
Vor mir auf, — die alten Träume
Kehren ſüß verkläret wieder:
Schaum und Brandung, feſte Städte,
Burg und Fels und ſtilles Kloſter,
Und die Rebe reift am Hügel,
Und der Wächter grüßt vom Turme,
Und die Wimpel flattern luſtig,
Und von hoher Klippe tönet
180⁰⁵
181⁰
1815
1820⁰
18²⁵
18³⁰
1835
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