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1985
1990
1995
201¹⁰
201⁵
5. Der Freiherr und ſeine Tochter. 245
Grau war ſchon ſein langer Schnurrbart,
Zu der Narb'’, die auf die Stirn einſt
Ihm 'ne ſchwed'ſche Reiterklinge
Eingezeichnet, war vom Alter
Manche Furche ſchon gezogen.
Und es hatt' ein ſchlimmer Gaſt ſich
In des Freiherrn linkem Fuße
Unberufen eingeniſtet.
Zipperlein nennt man's gewöhnlich,
Doch ſo einer es gelehrter
Podagra benamſen möchte,
Hab' ich nichts dawider — ſeine
Stiche ſtechen drum nicht minder.
Heut war's ziemlich zahm, nur ſelten
Wollt' es mächtiger rumoren,
Und dann ſprach der Freiherr lächelnd:
„Donnerwetter! in dem langen,
Böſen Dreißigjähr'gen Kriege
Hat ſogar das Zipperlein
Von der Kriegskunſt was gelernt.
Regelrecht beginnt's den Angriff
Und ſchickt erſt die Tirailleure
Plänkelnd vorwärts, dann mobile
Streifkolonnen — mög' der Teufel
Die Rekognoſzierung holen! —
Aber nicht genug — als ſäße
Mir im Herzen eine Feſtung,
Brummt's als wie Kartaunengrüße,
Zuckt's, als würde Sturm gelaufen,
Piff! paff! ich kapituliere.“
Jetzt gerad' war Waffenſtillſtand
Eingetreten — und behaglich
Saß der Freiherr — aus dem Steinkrug
Einſchenkt er den großen Humpen.
Dort bei Hallau, wo die letzten
Hügel von dem hohen Randen
Sich zum Rhein herniederſenken,
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