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Der Trompeter von Säckingen.
Wo der Winzer bei der Arbeit
Fernher des Schaffhauſer Falles
Stromgewaltig Rauſchen hört:
Hatte liebevoll die Sonne
Ausgekocht den würz'gen Rotwein,
Den der tapfre Freiherr ſtets als
Beſpertrunk zu ſchlürfen pflegte.
Zu dem Weine aber blies er
Schwere Wolken ſchweren Tabaks,
In ſchmuckloſem, rotem Tonkopf
Brannte das fremdländ'ſche Rauchkraut,
Und er ſchmauchte es aus langem,
Dunkelm, duft'gem Weichſelrohr.
Zu des Freiherrn Füßen ſtreckte
Zierlich ſich der biedre Kater
Hiddigeigei mit dem ſchwarzen
Samtfell, mit dem mächt'gen Schweif.
's war ein Erbſtück ſeiner teuern
Frühverblichnen ſtolzen Gattin
Leanor Montfort du Pleſſys.
Fern in Ungarn war die Heimat
Hiddigeigeis; ihn gebar die
Mutter aus Angoras Stamme
Einem wilden Pußta-Kater.
Aber nach dem Seineſtrande
Sandt', als Zeichen ſeiner Achtung,
Ihn ein ung'riſcher Verehrer,
Der ſich fern in Debreczin noch
An Lenorens blaue Augen G
Und des Elternſchloſſes Ratten
Ehrfurchtsvoll erinnerte.
Mit der ſtolzen Leanor' zog
Hiddigeigei nach dem Rheine
Treu als Haustier; etwas einſam
Spann er ſeines Daſeins Fäden,
Denn er haßte die Gemeinſchaft
Mit dem deutſchen Katzenvoll.
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