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5. Der Freiherr und ſeine Tochter. 251
Meine Tochter: dank' ich ihm doch
Die Gemahlin und den Hausſtand.
Und dieweil mir heut manch alte
Kriegsgeſchichte durch den Kopf brummt:
Setz' zu mir dich — ſtatt des Leſens
Will ich ſelbſt dir was erzählen
Von dem Kraut, das du geſcholten,
Und von deiner ſel'gen Mutter.“
Zweifelnd ſah ihn Margareta
Mit dem großen blauen Aug' an,
Nahm zur Hand die Stickerei, die
Bunten Wollknäu'l und die Nadel,
Rückt den Schemel zu des Alten
Lehnſtuhl, und ſie ſetzt' anmutig
Sich zur Seit' ihm, — ſo im Walde
Rankt beim knorrig alten Eichbaum
Jugendſchön die wilde Roſe.
Doch der Freiherr leert' mit feſtem
Zug den Humpen und erzählte:
„Als der böſe Krieg im Land war,
Streift' ich einſt mit wenig deutſchen
Reitern in dem Elſaß drüben.
Hans von Weerth war unſer Obriſt'.
Schwed' und Franzmann lag vor Breiſach,
Von manch tapferm Reiterſtücklein
Machten wir ihr Lager ſprechen.
Doch viel Hunde ſind des Haſen
Tod, — auf einer wilden Hetzjagd
Hatte ſich der ganze große
Helle Hauf' an uns verbiſſen,
Und aus mancher Wunde blutend
Mußten wir die Säbel ſtrecken.
Kriegsgefangen transportierte
Der Franzoſß uns nach Paris dann
1 Berühmter Reitergeneral des Dreißigjährigen Krieges. Im Kampfe
gegen Bernhard von Weimar ward er am 3. März 1638 gefangen, auf
Richelieus Verlangen nach Paris geführt und dort bis 1642 in ehrenvoller
Haft gehalten.
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